



Beirut Teil 1
Ein Gedichtzyklus entstanden zu den Beirutfotos von Robert Frank in dem Band „Come again“, erschienen im Steidel Verlag, https://steidl.de/Buecher/Come-Again-0510293243.html
Vor vielen Jahren schenkte mir mein Sohn den Fotoband, Robert Frank, „Come again“ im Steidl Verlag erschienen. Die Art und Weise wie das Buch gestaltet ist, hat meinen Sohn an meine Art wichtige Gedanken, Zitate, Bilder, Eindrücke in die Wohnung zu heften erinnert. Dieses Buch lag auf meinem Nachttisch. Es berührte mich sehr und sprach mich nah an. So entstand diese Gedichtfolge, die ich direkt zu den Bildern ins Buch schrieb. Einige Wochen begleitete mich das Buch und damit auch die Folgen der Kriege und Zerstörungen, und eben das „Herz“, :Beirut. Ein wenig später hörte ich eine Aufnahme von Fadja al Hage. Sie verbindet sängerisch das Abend-und Morgenland. Als ich sie die Arie, „Erbarme dich,“ von Bach aus der Matthäus Passion singen hörte, war ich zutiefst bewegt. („Rachmene“) Es stellte sich heraus, dass sie in Beirut geboren ist und dort auch heute lebt.
Beirut: Ein Blick auf den Globus und die großen Kontinente, die Meere und Inseln, die Pole, Asien, Rußland, Afrika und vor Europa das Mittelmeer. Dort, ganz auf der Seite an der Spitze, liegt Beirut.Meine Hände hielten den Globus und dort, dachte ich, liegt das Herz. Wenn die Erde ein Körper wäre, wäre dann an dieser Stelle das Herz? Mir war, als fühlte ich den Schmerz gefasst in diesem Ort. Fließt hier das Blut der Weltseele in besonderer, entscheidender Weise hindurch? Der ganze Libanon, Israel, Ägypten, Armenien, Palästina? Der Weltrhythmus, ist hier sein Zentrum? Das Herz der Welt seltsame Frage, woher kam diese Idee und nahm mich ein? Meine Hände fühlten das Blut. Das Blut, das Leben bringt und das was Leben nimmt, die Wärme in stetigem Puls.Viele Weltreligionen haben hier ihren Ursprung auf irgendeine Weise. Das Abendland grenzt hier ans Morgenland.
Jetzt vor kurzem, war die riesige, schlimme Explosion in Beirut. An den Ufern zum Meer findet ein unerträgliches Leid fliehender Menschen statt. Wir lassen sie im Mittelmeer lieber ertrinken, als uns neuen Aufgaben zu stellen und auch die Folgen unseres eingenen Handelns zu tragen. Das Mittelmeer ist eine Wunde des Erdkörpers geworden, manche sagen auch ein Grab. Und dies alles so nah, so gefaßt in einem Ort, Beirut.
Hier ist die erste Folge von Gedichten zu lesen, entsprechend der Seitenzahl des Fotobandes hat.
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Erster Teil
0 Häuser tropfen
1 Wenn das Haus zerbricht
2 Come again
3 Total
4 Beton
6 ich will es überwucherte
8 Knien
9 Ein Tropfen-Scherbe Licht
10 Gehäuse Fassade Gerippe
11 Gestrandeter Wal
12 ich wusste nicht dass wir alle Kinder sind
14 Büste des Löwen
15 Weiter
16 Fläche
17 Ach wenn das Leben
18 leeres Haus
19 die Liebe ist still gestanden
20 das Licht spielt
21 es ist eine Treppe
22 Mauer einem Riesentier
23 Ruinen
24 starres Kreuz
25 wenn die Sterne nicht mehr innen sind
26 Licht verhallt
28 in den Steinen seh ich Kinder
29 wenn es doch
30 und Hinüber
31 Fort-gegangen-sein
34 und wenn die Fenster alle
35 bleibt Frage
36 Entfallen
37 der Zweig
38 Brich auf
Häuser tropfen
Häuser tropfen von dumpfen Himmeln
Wenn aus Tiefen Wolken bersten
den Himmel einnehmen
und ganze Leben verschlingen
wenn Häuser tropfen
Balken schreien
Grün in dumpfe Nacht zerfällt
wenn Türen begraben
abgerissene Arme
nicht geöffnet sein können
wenn einzig das zerrissene Herz
offen in den Händen fleht
gestürzter Vogel ohne Lied
Steine zu Tränen gehärtet
Leben winzig erstarrt
Perlen die sind
geschluckt gefallen
der polternde Fluß
Wangen auffurcht
Gruben zieht
die verleugenbar bergen
zerzeichnen Spuren
tätowierend die Stadt
der Blick das Gesicht
Schmerzmosaik zerstäubt
im Getroffen-sein
wenn Narben aufgewühlt
zu fressenden Schluchten
das Menschsein holen
Wolkenmörder
das Lächeln zerstückeln
unter dem Druck
gefallener Schindeln
sich mit Fremde gefüllt
bedrohender Raum stülpt
Vakuum sich Außen breitet
alle freie Weite ihm gewidmet
schneidet jeder Atemzug
Innerstes entweichen lassen
im letzen Gefäß gefangene Luft
Stille dröhnt unter Sirenen
von weißen Fahnen
entkleideter Stahl
sticht den Himmel
Infusionen abzuzwingen
Lumpen letzter Geborgenheit
Stoff von Friedensweiß
rieselt durch Zeit
die erstarrt steht
am verlassenen Tuch
besänftigen Heimes
lichtleichten Aschefedern
ist der Flug
ein Tanz noch
im schluchzenden Laut
Leitern bringen
hoffen hoffen
zum Mensch hinauf
geflüsterte Worte
die alles waren alles sind
treu staunen
ohne zu verstehen
leer und nackt
und einsam
ich bin
Wenn das Haus zerbricht
wenn das Haus zerbricht
steh` ich verlassen da
Nicht ist
als Leid und Fort
und fragend fliehen
mit seinen Wänden
fiel der Name
fiel der Sinn
wer weiß noch
wer ich bin
wenn das Haus zerbricht
der Schutz entwichen
Himmel weit und aufgerissen
Vergehen singt
Lied dem Wind
Tränen weint
ein blindes Kind
verzweifelt an ein Herz
das gehen will
die Steine schweigen
die gefallen sind
in kleiner Scherbe
dort ein Licht
wenn das Haus zerbricht
dank` ich dem Stern
er ruft Geschick
ein Fleckchen Licht
ich bin ja noch
Gezeiten treiben
heben mich
hinauf die Welle
stürz ich in Gehen
fernen Deichen zu
ein Haus zu bauen
im Anderswo
fühle mehr
als nur Vertrauen
am Ufer aufgewühlter Erde
dem Fallen Offenheit bieten
Furchen ziehen
öffnende Arme
der Boden ist allen
und alle sind
der Erde gleich
fühle Kraft
erneut zu tauen
schenkt sie uns Leben
ein Heim will ich bauen
wenn das Haus zerbricht
einziger Halm
auf großem Rasen
sein und stehen
verloren
dennoch sehen
Himmel Sonne Licht
der Stern er spricht
Wenn das Haus zerbricht
voller Liebe in den Händen
mich erbarmen
Hilfe einer Zukunft zu
Aufgenommensein
dem Verlorenen ein Heim
dem Einsamen Licht
das nicht Gespinst
lügenvoller Kerker
das nicht verrät
nicht preis gibt
was es erkennbar macht
Wenn das Haus zerbricht
Kraft bezeugen
Sonne zu erzählen
wo die Wolken
noch so dicht
wenn unsere Häuser brechen
bleib nicht zurück
weiter gehen weiter lieben
zitternder Herzschlag
Abgrund entsagend
Segensgeschehen säen
erfülle den Krug
im Beben des Gefühls
Halt verlassen
Schranken aufheben
Zuneigen
dem Ungewissen
erfüllt das Leere
macht das Gefäss bewusst
Es ist ein Trauen
zu fliessen wagen
wie Erblühen
ein Erstrahlen
Licht leuchten
nichts wissend
hoffend Sterne werfen
in Welten weit
Stern spiegelnd
wird Stern aus dir
bis Hoffen selbst
Gebäude ist
unsere Möglichkeit,
Liebe zu bauen,
liebend zu vertrauen,
Liebe
schliesslich
ganz zu sein.
COME AGAIN
KOMM DOCH WIEDER FREUDE DIE VERTRAUT
Seltsam
Seltsam wie laut
das Leben
aus diesem Verlassen
leere Ruinen
spricht
seltsam wie laut
die Kinder
weinen
die an der Strassenecke
spielten
wie der Topf
duftet
auf einem Herd
wo eine Frau
schlicht und tapfer sich kümmerte
hofft
auf das Heimkehren ihrer Anvertrauten
seltsam wie sehr das Auto brummt
wie die Karte mit der Urlaubsrute den Einkaufszetteln
zu sehen ist
der Tankwart und der kleine Plausch
seltsam wie die Strasse hallt
von all den Schritten
dem Knistern fortgeworfener Bonbonpapiere
seltsam dass die Steine stehen
und die Fenster ohne Sinn
verweilen laut erzählen
von allem was in ihnen lebte
als wäre es noch da
nur angehalten und verfärbt
erstarrt und ausgehöhlt
bis es wieder atmete
Total
Total
überall
total tragend
Kreuz und Marterfahl
offene Bühne
Asche und Staub
führt auf
allein mit dem Hauch
der noch über Plätze geht
bekennender Tanz
weißer Balken
trägt und bleibt
zeichnet den Kelch
vor die trübe Inschrift
das Gold das Öl bleibt
Macht Stärke Geld
namentlich dazu bekannt
beweist stur
bestimmt das sterbende Land
Gesichter Gesuchter Verkannter Beschuldigter
aufgebabt wie vor einer Bank
lächerlicher Traum
ins Suchbild gebannt
tragende Säule weiß
unsere Wahrheit und besteht
Traumgespinnste durchfahrener Zeit
zerronnenes Erinnern Erdachtes
das Spuren Kratzer
einstiger Reisen ließ
in denen wir uns zu finden meinten
entleerte Räume
verlassenen Außenbildes
schneidende Karosserie
uns verlachend
uns einst ausgewiesen
nichts sonst das blieb
Stillstand
totales Schweigen der Hoffnung
in schwarzen Hallen aufgesogen
türlos klappert der Wind
fensterlos zieht der Sturm
durch zerfallende Gerippe
einstiger Geborgenheitsheime
Freundschaften Nähen und Fernen
und ich fahre doch
fahre fort in Leben
in Weite in Vielfalt
in ein Versuchen
tanke Luft und das Fort
das Fort eines Morgen
nichts blieb als fliehen
verlassen zurück lassen
aufgeben loslassen allen Grund
alle durch liebte Struktur
die mich benannt
das kleine Leben
roh und nackt
unerkannt und pur
zu bergen
rettend scheinlos laufen
wohin auch immer
diesen verödeten Gebäuden
den Rücken zu kehren
der Tod bleibt
in ihren leeren Hallen
die Säule weiß
weiß unsere Wahrheit
in Stille trägt sie
ein Bezeugen unserer Tat
des Aufstiegs und Sturzes
allen Lebens fortgefallen
wir wählten Macht im Glanze
und das Verderben
und rissen alles mit.
Beton
Wie stark
die Mauern auch sind
sie fallen
in Himmel
wie fest
wir den Beton auch stemmen
und härten
alles Leben leugnen
es hält
einer gewissen Zeit stand
bevor es fällt gen Himmel
fällt den Himmeln zu
sich in seinen kleinsten Teil zu neigen
zersplittert
sich zeigend
weil nichts bleiben kann
ohne sich zu bekennen
weil nichts ist
ohne seinen Staub zu bezeugen
Schichten über Schichten
und Fenster die wir in Angst rundeten
starren uns an
tiefschwarze Löcher des Universums
die wir nicht fassen zu erahnen
weiss ist die Summe aller Farben
wer könnte sagen
er sieht das
er sieht diese Zusammenkunft
weiss ist der Himmel
weiss
wenn wir alles erkennen
wenn wir es zu lieben wissen
erwacht es
wenn wir es lieben
blüht es
auch Beton zerfliesst
wenn wir es nur nicht vergessen
schmilzt den Himmeln zugereicht
zerstäubt in Leichtigkeit
durchlässiges Fallen von Staub
wenn wir ihn zu fangen wissen
wie erfreute Kinder
spielen mit den fallenden Sternen
das ängstliche Gebrochensein
weicht er
gibt den Himmel frei
doch Platz für eine Blume zu spriessen
wenn wir unsere harten Zeichen
als Beton erkennen
wenn wir unser Recht auf Bestimmung
von Wahrheit einmal sehen
der Wahrheit wieder Himmel schenken
wie den Flug eines Vogels
dann lassen wir Häuser entstehen
der Weite der Durchlässigkeit
vergessen einen Zwang
sie zu zerstören
danken einzig
den Hüllen unserer Geborgenheit
ach wenn nur Beton den ich sah
an den ich glaubte
und ihn dann schuf
zerfiele ohne Krieg
sich neigte
und wie eine Wunderkerze
den Kindern Freude brächte
Himmel freilegte
und Fenster schenkte
die nicht Licht frässen
und Nacht geborgen hielte
die einen verschluckt
sondern den Blick und die Liebe
zum Meer und zu Menschen frei gäbe
und jeden Krieg sinnlos erscheinen liesse
man ginge einfach vorbei
und wollte lieben
Ich will
Ich will es überwucherte
was wir auch waren
was uns geschah
was still bezeugt
Ich will es mitbewegen
überfluten
die längst getrockneten Tränen
wollen Quelle sein
ich will bezeugen
das Bestehen
und im Wirken
heilend sein
wie die Blumen
auf und durch die Mauern
leben
Dächer schweren Tores heben
grüne Tücher auf euch legen
mit Farben
Licht durchweben
trauriges Grab
ich will hinter allem
voller Trauer sein
dann führt ein Weg in Stille heim
heim zu neuem Leben
neuem Blühen
nicht vergessen
aber im Trösten aufgehoben sein
geliebt gerahmt und nicht entzweit
ich wüchse hinauf wie der Efeu
wie die Clematis
wüchse Leben
dass das Blühen kennt
das ein Bewegen
schliesslich Gärten bringt
Knien
kraftsammelnde Beugung
vor dem Start
knieend sich der Erde zuneigen
vor dem Loslaufen
Knospe gestalten
um in aufblühendem Flug
zu brechen kniee ich?
auf warmem Holz
Himmel und Ältere zu erflehen
Ja ich kniee im Gebet
Splitter berstenden Holzes stechen
mitten ins innerste Gespräch
Latten der Leitern
die einst höher trugen
aufrechte Balken hingestürzt
halten noch Licht
den Blick zu weisen
nach vorne fallen
kunstvoller Sprung
in wellendes Gewässer
aus gebrochenem Sinn
die Schnur zu fassen
und zu halten
lichter Ballon
du wartest auf mich
vor der Schlucht
des Unterganges dunkelster Nacht
die Wände werden sicher fallen
wenn das Beten sich breitet
einfach ins Außen stubbsen
weit ausgebreitete Arme
die Karten dieses Spieles zu kippen
aufstehen aufstehen
den Sog in Tiefen
verlassen aufstehen
die Schwere war
jetzt ist nur Weg
der helle Ballon
hält Atem geborgen
Halt der verletzten Hand
aufgleiten an der Nabelschnur
dem Friedlichen zu
durch Scherben
aufgerissener Dächer
den Schwingen folgend
der weißerblühenden Taube
das Blaue des Himmels
eines heilenden Morgens
in Treue denken und tun
Ein Tropfen – Scherbe Licht
Das Licht gefangen
in dem verlorenen Tropfen
der steht – nicht rinnt
Scherbe Himmel verhaftet
Zeichen und Bestätigung
sind die Netze
die nach oben fliehen
Fenster lichtlos ohne Sinn
stille Nacht verkünden
du bist nicht Stern
bist Tropfen
der nicht fällt
der inne haltend
Licht bestimmt
Gehäuse Fassade Gerippe
Gehäuse Fassade Gerippe
Karosserie und Ruß
viel Ruß viel Asche
entfärbter Raum
entstellter Sinn
blutleer
allenfalls
verkrusteter Schorf
dunkel schneidend
Spuren markieren
tätowieren in Haufen
verwirbelter Asche
von Ding und Leben
verbrannter eilender
zu früh verbannter Zeit
vielleicht gibt es
irgendwo
für irgendwas
irgendwann irgendwie
irgendwem einen Sinn
irrend starb der Mensch
darunter darinnen
in Irre getrieben
kalte Asche am Fuße
offener Türen
die Fassaden bleiben
Gerippe stehen
Leere zu bergen
Gehäuse ragen
die Schalen haben
längere Zeit
Gestrandeter Wal
Gestrandeter Wal
In deinen
widerstehenden
Augen
das Licht
Licht ungebrochen
lacht freundlich
aufblickend
ich werde
meinen Stern verteidigen
durch die Nacht
und den Schreckenstag
der Himmel wird oben sein
auch wenn ich ihn nicht
zu sehen vermag
kein Wasser gibt es
und kein Schwimmen
artfremd mir das Erstarrte
Still-gestanden
und doch —ich ziehe
dann eben stehend
ohne Wasser
zum Verharren verdammt
auf gebrannten Land
trockenes Welken
Tränen zerbröselt
nach Innen geschluckt
Salzkristalle geschrieben
auf splitterndes Glas
Fenster
lichtloser Leere
malen Vergessen
sind Wand
Menge von erhobenem Stein
in Mauern
gegen Leben getürmt
Ich habe die Bögen
der Gebete geschluckt
oder besser mich hinein gelebt
sie schimmern als Zeichen
Ruf meiner Haut
Schreie bezeugend
will ich ihnen Flossen geben
oder sie zu Tauben machen
ich bleibe treu
und spiegele Himmel
welches Leid ihr auch baut
welche Nachlässigkeit ihr wagt
welche Täuschung euch Geld
welcher Baum auch fällt
die Bögen des Lichtes
mahnen
am Ufer eines Meeres
aus mir heraus
aus meinem Blick
es geht darum
Wasser zu bringen
Weiter
nur in Raumanzügen
zu denen wir geworden waren
konnten wir die Stadt verlassen
die Ruine das Zerbrechen
die zerstörten Geborgenheiten
spiegelten uns das menschliche Verbrechen
allein die Spiegelung
wäre tötend
darum dreh dich nicht um
gewordener Roboter
stapfe weiter
das Leben ging fort
Astronauten in einer fremd gewordenen
entleerten Welt
die Geister zerren uns voll Schwere
Wir stapfen in Hüllen
und wissen nicht mehr
ob wir darunter sind
ob nur noch Hüllen bleiben
Rüstung einer fremden Welt
in der all unsere Herzensgesetze
zertreten und verdorrt
es war nichts
nur eine Wohnung eine Familie ein Leben eine Hoffnung
wir entfremdet in einer entfremdeten Welt
das Leben nicht mehr zu suchen wissend
ziehen weiter
das Einzige was bleibt und noch lebt
weiter
entfliehen dem Bild
und unserer nachtvollen Ferne
Astronauten auf fremden Planeten
Büste des Löwen
Schattenhaft flüchtende Figur mitten ins Bild
bestimmt
die Büste eines Löwen trägt das Kinn dass es nicht fällt in
Weinen
oder ein Bär den sie vor ihrem Körper
trägt
Fahnen jener Priesterkrägen Waffen unterm Talaren
verhüllen
Streifen von Spiegelungen Teilung
scheinen
verdichtet zu Säulen die ohne Halt
verwischen
was ist was sei was
vielleicht
gemeint geglaubt gekannt
ich führe durch
ich gehe hin
das Kindergesicht von Tüchern ins Fort
zurückgezogen
fleht in seinen Nacken
ersticke mich nicht
Dampf verzerrte Figuren vor das Auge
geworfen
Schmerz haltender Nebel vergifteten Wassers
spricht
Schleier an geländerlosen Balkonen
gehalten
Personen ich und du ein wir
verstecken
das seinem Zement
entbunden
dem Todessturz
befohlen
Arme den Heiligen gleich
geöffnet
Halt in zerschlissene Welten
vorgaukeln
es waren doch nur
Schachteln Kisten Kartons
über einander zu Türmen
gestapelt
zu Räumen von Verweildauer
Verweilen gibt es nicht
und auch kein Heim
Segen jenen die noch die Liebenden schauen
auf deren Band der Engel tanzt und die Erde trägt
lichte Säulen werden halten
und wäre es doch
die Löwenbüste Hinaufsetzen
den Strahl dem Bären zum geliebten Baum
nach vorne sichtig
ein vorsichtig Hinaufkünden
ach wenn das Leben nur käme
Vielleicht hat alles
nichts zu bedeuten
auch das Leben
das fortging
heraus gebrochenes Pflaster
bezeugen
gerissen
aus Ordnung und Sinn
still
verhärtete Verbrennung
innegehalten
ohne Wertung zu setzen
sie benutzt und begangen
von etwas von irgendwem
wer hätte sie schon gefragt
und ihre Schwere
war nicht stark genug
sich zu entziehen
Mahnmal sein
auf unbefahrener Strasse
im Weg verloren
getrennt von dem
der mit bezeugt
sind sie nur das Schwarz
gefallen aus den Fenstern
der Schatten
der unter allen Balkonen lag
steht nun auf den Strassen
verwischte Wahrnehmung
der Blick aufgehalten
von schleierndem Dunkel
nicht zu fassen
sind sie
verhärteter Teil davon
scharfkantiger Splitter darinnen
Wirklichkeit
aus dem Bild gefallen
alles was lebendig ist
eine Strasse
durch leere Trümmer belebter Zeiten
warum
konnten wir das Leben nicht lieben
verlassene Steine
von Schatten und Nacht
auf einer grossen Strasse
warum nur
wer weiss wohin
ach wenn das Leben nur käme
wenn das Leben nur käme
leeres Haus
ein Haus
dann leer geworden
verlassenes Grab
eine Zeit bezeugend
die es entgegen
allem Mitmenschlichem gab
Bögen voller Schatten
der Schauder innegehalten
als sei er nicht
Sinnentleerung von Hallen
von Zuhause Geborgenheit
harter Beweis
stillgestandener Zeit
die alle Wer’s bezeugt
und nichts vergisst
die wahr ist
berührt sie uns gerecht
wird uns schlecht
wenn ein Haus entleert entwich
ohne Abschied
Tränenlos sein
Sein
Mahnmal lebensmissbrauchter Zeit
in Nacht fallen scheint dann Rettung
und Leben bedeutet dann vergessen
wir mahnen unser Sehnen unser Leid hinauf
und erstarren voll Schrecken
entleert
Die Liebe ist nur Stillgestanden
die Liebe ist nur stillgestanden
das Licht spielt
das Licht spielt
Fließen über Schatten
mit Rissen Bilder
verwehen
Blumen aufwärts
binden
auf Mauern
schleichend
sprechen
das Licht
es hat den Schatten gejagt
sanfter zu malen
dass nicht stur
tiefdunkelste Löcher sind
bin ich hier bin ich dort
das Licht
zeigt was nicht fort
vom Schatten verraten
Verstecke schenkt er
dem Lichte nicht
auch wenn wir
fortgefallen
den Engeln
die wir werden konnten
unter Leid und Schmerz
verschwunden sind
spielt das Licht
und
mit ihm der Schatten
Es ist eine Treppe
Es ist doch eine Treppe
auch wenn ich sie nicht sah
und sei sie aus Traum gebaut
an Fenstern vorbei
hinter denen sich nur Nacht verbarg
es ist doch eine Treppe
vielleicht aus Steinen
Wänden Mauern
oder aus Licht und Schatten
eine Treppe die sich sehnt
und seiend bildet
hinauf führt
geh nur
geh nur
was schreckt dich
ein übergrosser Schatten
die Seile spannen sich immer wieder
in ein Hinüber
verborgene Bögen legen schließlich Rundung
also Aufgang Brücke
ein Harmonisches
verloren gemeinter Ring
der sich findet
im unscheinbarsten Spiel des Himmels
weiss und sanft
stärker als verlorene Fenster
es ist doch eine Treppe
die führt hinauf
wie ein Lächeln
ungesehen und doch da
es ist eine Treppe
Mauer einem Riesentier
An kletternden Briketts
hält sich der schwere Fuß
sicher wird der harte Stiefel tragen
den Himmel oben
gibt es nicht
es wird ihn dennoch jagen
will Blut in seine Leere schlagen
Ruinen
Ein grosses Dunkel
im Inneren
voll Trauer
und die Mauern
die Ruinen weinen nicht
sie erstickten an Wassern
sie zu löschen
erstarrten
blieben kalt
vernünftig das Gerüst
die Ruine
Mauerwerk das Konsequenz
Folgen demonstriert
Starres Kreuz
starres Kreuz
Einziges
Tod
zulassend
schiebst du dich
walzend über Städte
kreuzigst nicht
es ist nur
deine Stille
die den Tod
statuieren will
wenn die Sterne nicht mehr innen sind
ich konnte mich nicht aus der Grube ziehen
die Fenster schienen mir voll Nacht
und über allem ein Himmel
von starrem Weiss so hart so leer
wie eine Leinwand
es gäbe Licht in einem Fenster
wie Sterne in der Nacht
wie kann ich daran glauben?
das Sehen hilft mir nicht
weil die Sterne nicht mehr innen sind
es fällt ja nicht
und die Schatten
verkünden nur eine Leere
warum nicht
warum dem nicht folgen ?
und die Leere füllen
Raum durch Raum
bis die Kraft wächst
wieder neues Licht nach aussen bricht
bis die Tat geschenkt
und einen Wiederbeginn wagen
Licht verhallt
Steine zerbrechen
Mauern zerfallen
ich wäre heim gegangen
Fenster hängen ihre Dunkelheit
in eine fremde Weite
gefallen
schiebt sich ein vergangenes Haus
mitten zwischen den Zusammenhalt
inhaltleeres Gebäude
und so zart die Leiter hinauf
als wäre es Spiel als wäre es Freiheit
und kindliche Lust
Lebensfreude
dich gab es
ich wäre Heim gegangen
hätte ich den Boden noch geahnt
das zerfallene Haus schiebt sich dazwischen
als hätte es der Himmel anders geplant
einfach dort in der Waagerechten
wo er gerade nicht steht
warum stürzt alles nicht ein
ich wäre Heim gegangen
nun aufgefordert in ein Weiss
vergessen oder übertüncht
voller Egal
ein weisses Licht
verhallt
In den Steinen
seh ich Kinder
In den Steinen seh ich Kinder
die uns fortgefallen sind
sie schauen alle gleich
Erstarren
ist dann Zuversicht
wenn der Stein sei
und die Faser entfernt
Knirschen ist
zermürbende Reibung
ein Rieseln
von Kies und Mauerwerk
das tropft
Fäden Drähte
verwuselter Haare
von wunder Haut
blättert
steigen verlassene Wracks
nicht von Wasser durch spült
Wüsten bringend
und immer
immer bleibt das Verstummen
Verstummen der Kinder
gesteinigtes Verlassen-sein
das ich in den Steinen sehe
hörst du hörst du
mit den Winden
die durch alte Gemäuer ziehen
den lautlosen Schrei
dass es ja nur Kinder sind
denen wir ihr Leben
ihr Heim
ihre Zukunft
erschlagen
wenn es doch
Das Zarte verhangen
wenn es doch
wenn es doch
die Birken quer
wie Schienen ins Bild gelegt
veränderte Vergangenheit
oder die Wahrheit
wie es war
sie waren nicht aufrecht
sie wuchsen zu Ebenen
Seile verzarteten sich
in unbeholfene Schienen
wie würde der Zug sein
breit schmal
schwer
wie es recht machen
verzweifelter Versuch
man verfiel
in Steine
auch aus Schatten
immer wieder Säulen
die gleichmütig
vor der Nacht bestehen
das Warten verfangen
fast der Versuch Licht
ein Licht zu entflammen
das Leben bezeugen
zart umhüllt es die Nacht
spinnt webend eine Möglichkeit
Hoffnung ?
Und
Hinüber
und……..
es ist doch eine Brücke
hinüber geworden
ein ewiges Hinüber
es hangelt sich der Himmel
von Nacht zu Nacht
von Tag zu Tag
Bruchstücke von Zeit
hinab gestürzt
bauten einfach Geschichte
Sterne getürmt die bleiben
voller Härte
Vergebungslosigkeit
die Erde konnte
heimholen
aber nicht so schnell
das Leid fordert
sein Bezeugen
selbst die Blumen
wachsen nicht
ausser jenen
die vereinzelter Schmuck sind
von Gräbern
wir müssen sie erweichen
aus unserer Sehnsucht
brückend werden lassen
stolpern über Schalen
stürzen über Scherben
über Schrott von gebliebenem Sein
ängstlich und allein
hinüber alles aufhebend
nein
auch diesen Teppich
führen wir heim
Fort-gegangen-sein
Aneinander haftend
Brücke im freien Raum
die man nicht zu gehen weiss
Zeit bezeugt und gehalten
verlassen von Traum
in ein himmel-loses Fort-gegangen-sein
war er jeh
so wie das grün
das Leben
das Blühen?
Gerüste klar und voller Schatten
Untiefen voller Schweigen
zu leer um Gefühl zu verraten
ach Sinn oder Sinnlosigkeit
betäubt schlafen
sonst müsste man ja endlos schreien
so voller Schmerz ist das Nichtzerfallen
Bleibt Frage
Ich fragte
mich
er fragte mich
zwischen den alten Gemäuern
unter den Ruinen
Reste gelebter Zeiten
ob ich mich irrte
irrte in allem
Schatten die geblieben
wähnen Halt
wo denn
war das Licht
es blieb fragen
Bleibt Frage
wie Schmerz
bin ich
der der irrte
der der tat
der der erhielt
der der fiel
der der umwarf
zwischen all den Fenstern
den Brüchen
den Lücken in den Steinen
find ich nicht heim
weiss nichts
als stolperndes Sein
lass mich
lass alles
hinter den Mauern
den Tränen
und fliehe
Und wenn
und wenn
die Fenster alle leer
und in den Ecken
Kammern
Schatten ruhen
dann wissen wir es wieder
durch und durch
der Mensch sucht
den Menschen
und wenn
die Dunkelheit
das Licht aufschluckt
harter Wände Mauern
dem Strick nur Halt und Sinn
dann wissen wir es wieder
in jedem letzen Atemzug
der tiefe Ruf
Du
wo bist Du
Brich auf
leere Kathedralen
die doch den Flügel einer Reinheit
hinter liessen
ins rote Mauerwerk
ein Aufleben verkündet
Auferstehen
es waren Hallen des Versuches
ein Auffliegen des Wagens ruft
die Blätter des Lebens
sieh
sie sind einfach in den Himmel gemalt
weitergehen
es sind nur Gerüste
Gerüste vieler Versuche
auf dem Weg
einer grossen Hoffnung zu
Brich auf
brich auf
Entfallen
Wenn sie in einander fallen
sich entfliehen
aufbrechen
aufrecht erhalten
und doch ineinander verkeilt
dass der Bruch sein könnte
dass die Fenster immer nur Fenster wären
Fenster in Fenster in Fenster
in den anderen steht die Nacht
nicht wertend und wach
inne gehaltene Bewegung
die Flucht steht
den Atem verloren
und der Himmel eine weiße Wand ohne Fenster
ausgerechnet der Himmel fensterleer
die Geborgenheit der Häuser schmiegt
sich verzweifelt an und bleibt
kein Himmel nimmt sie auf
die Strasse steht
das Licht fasst
die Wahrheit zeigt erbarmungslos
den Stand der Dinge
das Geschehen
kein Schatten mildert das gelähmte
verloren gegangene
nein in die Flucht
getriebene
Leben
uns entfallen
Der Zweig
Es war doch
war doch ein Zweig
der Hoffnung ruft
der Zukunft bringt
und Tag behauptet
der Zweig
der sich ins Bild gesucht
uns zu finden
wir verhärtet
den Blättern entfremdet
machen Räume stürzen
vor denen wir dann fliehen
und fliehen blind
in Angriff und in leid zufügen
mit leeren blutenden Händen
Träume finden
der Zweig
der über Fluten ging
der einmal schon die neue Welt gebracht
er ragt hinein
ins kalte Bild
uns zu suchen
mitten im vergehen
Brich auf
leere Kathedralen
die doch den Flügel einer Reinheit
hinter liessen
ins rote Mauerwerk
ein Aufleben verkündet
Auferstehen
es waren Hallen des Versuches
ein Auffliegen des Wagens ruft
die Blätter des Lebens
sieh
sie sind einfach in den Himmel gemalt
weitergehen
es sind nur Gerüste
Gerüste vieler Versuche
auf dem Weg
einer grossen Hoffnung zu
Brich auf
brich auf